Ein Sommer in der Galerie - A Summer in the Gallery.
Author - Brian Hawkeswood. Scroll Down for English translation.
Ein Sommer in der Galerie
Es sind nun beinahe drei Monate vergangen, seit ich die Türen meiner Sommergalerie im Atelier an der Elbe geöffnet habe. Die Saison neigt sich dem Ende zu, die langen Nachmittage beginnen sich zu verkürzen, und ich fühle mich gedrängt, zu bedenken, was mir dieses Unternehmen geschenkt hat – nicht nur im Sichtbaren, den Besuchern und Gesprächen, sondern auch in den feineren, schwerer fassbaren Registern von Erfahrung und Nachdenken.
Von Anfang an war meine Absicht schlicht – sofern Absichten je wirklich schlicht sind. Ich wollte einen Ort haben, um meine Kunst zu zeigen, um ihr Atem und Augen zu schenken, nicht nur die Einsamkeit meines Ateliers. Dieses Verlangen entsprang einer Zurückweisung, wie so viele meiner Unternehmungen im Leben. In Dresden, als ich mit der Aufrichtigkeit eines Fremden, der auf Neugier hofft, eine Galerie betrat, begegnete man mir mit jener Gleichgültigkeit, die verletzender sein kann als offene Feindseligkeit. Erst nach langem Drängen erlaubte mir der Galerist, ihm meine Arbeiten auf dem iPad zu zeigen. Sein Urteil fiel knapp, fast brutal: „Sehen Sie denn so etwas hier?“ Die unausgesprochene Folgerung: Mein Werk habe an seinen Wänden keinen Platz.
Ich erinnere mich, wie ich ein letztes Mal die ausgestellten Arbeiten betrachtete, als wolle ich prüfen, welchen Wert sein Urteil überhaupt hatte. Unter ihnen fand sich ein Werk, das mir unvergesslich blieb durch seine Banalität: ein roter Grund, darauf ein einziger, makelloser Kreis. Nichts weiter. Eine Reduktion, die Leere mit Tiefe verwechselt. In diesem Moment fasste ich, mit jener Entschlossenheit, die Zurückweisung in mir stets hervorgerufen hat, den Entschluss, was ich so oft schon getan habe: Ich eröffnete meine eigene Galerie.
Diese Entscheidung, aus Trotz und Notwendigkeit geboren, fiel in die Zeit des großen jährlichen Festes, des Tags der Kunst. An diesen Tagen schien die Stadt selbst von schöpferischem Leben erfüllt. Fremde betraten meine Galerie und wurden zu Bekannten, Bekannte zu Freunden. In ihrer Gegenwart spürte ich jene Luft der Möglichkeit, die allein die Kunst zu wecken vermag. Manche dieser Begegnungen bleiben vielleicht Fragmente, flüchtige Gespräche; andere versprechen bereits Zusammenarbeit. Ein Künstler besonders, Chris Lömann, erschien mir als Verkörperung dessen, was dem neuen Begriff, den ich zu formen wünsche – Rekonstruktivismus –(Meine Bedeutung unterscheidet sich stark von der, die Google hier anbietet)., einmal Inhalt geben könnte. Vielleicht wird er an meiner Seite stehen, wenn diese Bewegung, noch zart und ungeformt, zu wachsen beginnt.
Den ganzen Sommer über legte ich den Besuchern kleine QR-Codes in die Hand, unscheinbare Schlüssel, die nicht nur zu meinen Gemälden führten, sondern auch zu den vielen Worten, die ich über Kunst, Kultur und Schönheit geschrieben habe. Fast überrascht stellte ich fest, dass nicht meine eigenen Werke am meisten gelesen wurden, sondern die Texte über andere Künstler. Deutsche Leser sagten mir, dass die Übersetzungen ihre Bedeutung treu bewahrten. Ich empfand dies als bedeutsam – denn hier, in Deutschland, gehört es sich, dass meine Gedanken auch in deutscher Sprache leben.
In diesen Monaten wurde mir zudem bestätigt, was ich längst ahnte: Die Kunsterziehung in Sachsen bleibt oberflächlich, kaum mehr als ein leicht angeritzter Grund. Gespräche mit Besuchern zeigten mir immer wieder, wie wenig tief ihr Wissen um die Kunstgeschichte reicht – und doch, wie schnell ihre Augen sich öffneten, wenn sie vor Arbeiten standen, die mehr zeigten, als sie erwarteten. Wenn eines meiner Ziele Aufklärung war, dann ist dieses in gewisser Weise erreicht.
Und so saß ich, da die Tage meiner Galerie sich dem Ende zuneigten, oft auf dem Sandsteinfensterbrett meines Ateliers und sah den Strom der Menschen die Gasse auf- und abfließen. Gesichter wurden vertraut, das Anonyme wandelte sich zum Bekannten. Touristen schlenderten vorbei, betrachteten die draußen ausgestellten Werke der Jahresausstellung – und übersahen doch so oft meine Galerie. Vielleicht war es das spiegelnde Glas meines Fensters, das meine Bilder verbarg, vielleicht aber auch ihr eigener Halbschlaf, ihre Zerstreuung. Nur wenige traten ein, doch diese wenigen waren jene, die wirklich sehen wollten. Ein Kind – Lilly, dreizehn Jahre alt – blieb eines Tages stehen, gefesselt von der Musik, die aus meinem Inneren strömte. Sie trat ein, ihre Augen so offen wie ihre Ohren. Ihre Geschichte, die an anderer Stelle erzählt werden soll, bleibt mir als Verheißung dessen, was Kunst im jungen Herzen zu wecken vermag.
Ich bot meinen Rat an, als Künstler und Lehrer, getragen von vier Jahrzehnten Erfahrung. Seltsam, wie wenige ihn annahmen. Es verwunderte mich: Warum sollte ein Künstler nicht wünschen, dass jedes neue Werk das vorherige übertreffe, dass er sich über sich selbst hinausstrecke? Vielleicht liegt es darin, wie sie sich selbst sehen, vielleicht aber auch in der Art, wie Kunst in dieser Kultur verstanden wird – nicht als Disziplin, die man vertieft, sondern als bloßer Ausdruck des Selbst. Dieses Thema verdient eine eigene Betrachtung, zu der ich zurückkehren werde. Doch eine Person nahm an, und mit ihr wurden die ersten Samen gesät für eine Gruppe, die sich vielleicht bald in meinem Atelier versammeln wird, wo Lehren und Lernen neu beginnen könnten. Es ist ein Trost zu wissen, dass es wenigstens einige gibt, die lernen wollen.
Nun aber ist der Sommer fast vorüber. Am 31. August werde ich die Türen schließen. Die Tage werden kürzer, die Abende kühler. Doch in mir bleibt die Wärme dessen, was gewesen ist: der Trotz, der mich öffnen ließ; die Gespräche, die sich entfalteten; die Fremden, die eintraten; das Kind, das verweilte; die Freundschaften, die vielleicht wachsen. Die Galerie war in bescheidenem Maß ein Erfolg. Doch mehr noch war sie eine Zeit der Entdeckung – nicht dessen, was Kunst ist, denn das habe ich immer gewusst, sondern dessen, was sie noch vermag, hier, in dieser kleinen Straße Pirnas, während das Licht des Sommers erlischt.
A Summer in the Gallery
It has now been almost three months since I opened the doors of my Summer Gallery in the studio by the Elbe. The season is drawing to its end, the long afternoons have begun to shorten, and I feel compelled to weigh what this enterprise has given me, not only in the visible sense of visitors and conversations, but in the subtler, more delicate registers of experience and reflection.
From the beginning, my intention was simple—if such intentions are ever truly simple. I wished for a place to show my art, to allow it to breathe and to be seen, not merely to exist in the solitude of my studio. That desire was born of a rejection, as so many of my undertakings in life have been. In Dresden, when I approached a gallery owner with the earnestness of a stranger who hopes for curiosity, I was received with that particular indifference that can wound more than hostility. After much persistence, he allowed me to show him images of my work on my iPad. His verdict was curt, almost brutal: “Well, do you see anything like this here?” The implication being that my art had no place among his chosen walls.
I recall standing before the works in that gallery one last time, as if to confirm what his judgment was worth. Among the pieces there was one, unforgettable for its banality: a red background bearing a solitary, immaculate circle. That was all. The kind of reduction that mistakes emptiness for profundity. It was then, with the kind of resolve that rejection has always awakened in me, that I did what I have so often done—I opened my own gallery.
This decision, made in defiance and necessity, coincided with the great annual celebration, the Tag der Kunst. On those days the town itself seemed to stir with creative life. My gallery filled with strangers who became acquaintances, and acquaintances who became friends. In their presence, I felt the air of possibility that art alone can summon. Some of these encounters may remain mere fragments of conversation; others have begun to promise collaboration. One artist in particular, Chris Lömann, seemed to me to embody the qualities that might belong to the movement I wish to see born—Reconstructivism. ( My meaning much different than the one offered by Google here).He may yet stand with me in shaping what that word, still tender and unformed, might one day mean.
Throughout the summer I placed QR codes in the hands of visitors, those discreet little keys that opened not only the door to my paintings but to the many words I have written on art, culture, and beauty. I discovered, almost with surprise, that the most often read of my writings were not about my own work, but about the lives and struggles of other artists. Germans told me that my essays, when translated, carried their meaning faithfully. I felt this as important—since I am here, in Germany, it is fitting that my reflections live also in the German tongue.
In these months, too, I have seen confirmed my suspicion that art education in Saxony remains thin, a surface lightly scratched. The conversations I have had with visitors revealed, again and again, how little depth there is in their knowledge of art history, and yet how quickly their eyes opened when confronted with work that revealed more than they expected. If one of my aims has been to educate, then this has been, in some measure, fulfilled.
And so, as the gallery days dwindled, I often sat upon the sandstone sill of my studio window, watching the river of people pass up and down the cobbled street. Faces grew familiar, the anonymous blurred into the known. Tourists wandered by, gazing at the paintings displayed outside as part of the annual street exhibition, yet so many seemed blind to the presence of my gallery. Perhaps it was the reflective glass of the window that concealed my work from them, or perhaps they were already half-asleep within their own distractions. Only a few entered, and those few were the ones who truly wished to see. A child—Lilly, thirteen years old—paused one day, held spellbound by the music that drifted from within. She stepped inside, her eyes as open as her ears. Her story, which belongs to another time, remains with me as a promise of what art can awaken in the very young.
I offered my advice as an artist and teacher, borne of four decades of experience. Strangely, few accepted it. It puzzled me: why should artists not wish to become better with each new work, to stretch beyond themselves? Perhaps it is bound up with how they perceive their own identities, or perhaps it is a symptom of how art is seen in this culture—not as a discipline to be deepened but as a mere expression of self. This subject deserves its own essay, and I will return to it. Yet one person did accept, and with her the first seeds were sown for a group that may gather in my studio, where teaching and learning might begin anew. It is a relief to know that at least some still hunger to learn.
Now the summer is almost over. On the thirty-first of August I shall close the gallery doors. The days are shorter, the evenings cooler. Yet within me remains the warmth of what has passed: the defiance that led me to open, the conversations that unfolded, the strangers who entered, the child who paused, the friendships that may yet grow. The gallery has been, in its modest way, a success. But more than that, it has been a season of discovery—not of what art is, for I have always known, but of what it might still do, here, on this little street in Pirna, as the light of summer fades.
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