Feature Post.

The Importance of Writers-Die Bedeutung von Schriftstellern.

Image
  Author -Brian Hawkeswood.                                                                               Scroll Down For English Version. Die Beziehung zwischen bildender Kunst und den Schriftstellern, die sie interpretieren—Kunsthistoriker, Kritiker, Philosophen und Kulturkommentatoren—ist zutiefst symbiotisch. Während die Schaffung eines Gemäldes, einer Skulptur oder eines architektonischen Werks ein Akt visueller Kreativität ist, hängt die Rezeption, Interpretation und der dauerhafte Ruhm dieser Werke oft von der sprachlichen Vermittlung ab. Worte beschreiben Kunst nicht nur; sie kontextualisieren, theoretisieren und kanonisieren sie mitunter sogar. Historisch hat die Verbreitung von bildender Kunst durch schriftliche Texte deren Rezeption und Status entscheidend beeinflusst. Giorgio Va...

Saint Cunigunde’s Spire: A Reflection from the Höfe

Author  - Brian Hawkeswood.                                           Nach unten scrollen für die deutsche Übersetzung.

I sit in a wicker chair in the shade of the Höfe, the courtyard softened by summer’s gentle insistence — green leaves spilling from potted laurels, lavender stretching towards the late afternoon sun. A ceramic cup rests beside me on the table, warm with the last of the coffee, and above the courtyard wall rises the quiet silhouette of a church — tall, angular, still. The pointed spire, the sharp vertical lines, the narrow, arched windows — it bears all the gestures of the Neo-Gothic style, that 19th-century return to medieval piety, to aspiration carved into stone. Too new, perhaps, to carry the soot and weathering of the true Gothic, yet there it stands with dignity, pretending to belong to another century.


It is the church of Saint Cunigunde, or Königunda as she is known in this Saxon tongue — a woman of legend and restraint, empress, consort, and saint. I look at the spire and wonder what it means to bear her name. The quietness of her myth hovers like incense — a woman married to an emperor, yet known not for dominion but for chastity, for suffering accepted in silence, for purity raised above passion. They say she walked barefoot over burning coals to prove her innocence, emerging unscathed. Whether that act was real or ritual, it was enough for the Church: she was canonised in the thirteenth century, her barren womb turned into a symbol of sanctity.

No child came of her imperial marriage. Yet the Church, never one to miss the poetry of a paradox, made that absence into a miracle. Where life might have sprung from her body, it instead grew from her example — that a woman, even crowned, might choose spiritual fidelity over flesh. The cynic might scoff; the dreamer might feel some awe.

And here, in this quiet town of Pirna, a church was raised in her honour — not a great cathedral of medieval splendour, but a revivalist construction, likely from the late 1800s, when Europe looked back on the Middle Ages as if they might save us from the industrial age. The pointed arches, the steep roof, the solemn rhythm of stone all echo a style once associated with faith before it was co-opted by architects in search of romance and grandeur. But even so — as I look through the summer leaves, past the iron fence and into the upward lines of its form — it has presence. A stillness. A grace.

Perhaps it is fitting, this Neo-Gothic structure, for a saint whose legacy is itself a kind of imitation — an echo of medieval sanctity reaching out from a time when the empire had already waned. Cunigunde did not build empires. She stood beside one. She did not leave heirs. She left a legend. And this church, too, stands not as a dominant monument but as a companion to the town — modest, vertical, waiting to be noticed between trees and rooftops.

As I sit here, time thins. The rustle of leaves is the same as it would have been in her day. The spire catches the same sun. And while I know it is only stone, only style, I can’t help but feel a faint murmur in the air — a whisper from that other world where saints still walked and fire could be walked through by faith alone.

.........

Der Turm der Heiligen Kunigunde: Eine Betrachtung aus dem Höfe

Ich sitze in einem Korbstuhl im Schatten der Höfe, der Innenhof vom weichen Licht des Sommers durchflutet — grüne Blätter quellen aus Töpfen, Lavendel reckt sich dem späten Nachmittag entgegen. Eine Tasse aus Keramik steht noch warm vom letzten Schluck Kaffee auf dem Tisch, und über der Mauer erhebt sich still die Silhouette einer Kirche — hoch, kantig, unbewegt. Der spitze Turm, die schlanken vertikalen Linien, die schmalen Spitzbogenfenster — sie tragen alle Merkmale des neugotischen Stils, jener Rückbesinnung des 19. Jahrhunderts auf eine vergangene Frömmigkeit, auf das in Stein gemeißelte Streben nach dem Himmel. Zu neu vielleicht, um das Rußige, das Verwitterte der echten Gotik zu zeigen — und doch steht sie da, mit Würde, als gehörte sie einem älteren Jahrhundert an.

Es ist die Kirche der Heiligen Kunigunde — oder Königunda, wie sie hier genannt wird, im weichen Klang der sächsischen Sprache. Eine Frau aus Legende und Zurückhaltung, Kaiserin, Gemahlin, Heilige. Ich sehe zum Turm und frage mich, was es heißt, ihren Namen zu tragen. Die Stille ihres Mythos liegt wie Weihrauch in der Luft — eine Frau, mit einem Kaiser verheiratet, bekannt jedoch nicht durch Macht, sondern durch Keuschheit, durch das stille Ertragen, durch Reinheit, die über das Fleisch erhoben wurde. Man sagt, sie sei barfuß über glühende Kohlen gegangen, um ihre Unschuld zu beweisen, und sie sei unversehrt geblieben. Ob es nun wirklich geschah oder nur ein symbolischer Akt war — für die Kirche genügte es: Sie wurde im 13. Jahrhundert heiliggesprochen, ihr kinderloser Schoß zum Wunder verklärt.

Keine Kinder entstammten ihrer kaiserlichen Ehe. Und doch — die Kirche, nie verlegen um ein gutes Gleichnis — machte aus dieser Abwesenheit ein Zeichen göttlicher Gnade. Wo Leben hätte wachsen können, entstand Legende. Die Skeptiker mögen spotten; die Träumer vielleicht staunen.

Und hier, in diesem stillen Städtchen Pirna, wurde ihr zu Ehren eine Kirche erbaut — kein Dom von mittelalterlicher Pracht, sondern ein Bau des Historismus, vermutlich aus dem späten 19. Jahrhundert, als Europa sich nach der Gotik sehnte wie nach einer verlorenen Heimat. Die Spitzbögen, das steile Dach, die ernste Rhythmik des Steins — sie zitieren eine Zeit, die man als glaubensstark empfand, ehe Architekten sie romantisierten. Und dennoch — wenn ich durch die Sommerblätter blicke, vorbei am schmiedeeisernen Zaun, in die aufsteigenden Linien dieses Baus — hat er Präsenz. Eine Ruhe. Eine Anmut.

Vielleicht passt es genau so: Ein neugotisches Bauwerk für eine Heilige, deren Vermächtnis selbst eine Art Nachklang ist — ein Echo mittelalterlicher Frömmigkeit aus einer Epoche, in der das Reich längst seinen Glanz verloren hatte. Kunigunde baute kein Imperium. Sie stand neben einem. Sie hinterließ keine Nachkommen. Sie hinterließ eine Geschichte. Und diese Kirche steht auch nicht als triumphales Monument da, sondern eher als stille Gefährtin der Stadt — bescheiden, aufstrebend, wartend, dass man sie zwischen Bäumen und Dächern bemerkt.

Während ich hier sitze, wird die Zeit durchscheinend. Das Rascheln der Blätter klingt wie damals. Der Turm fängt dasselbe Licht. Und auch wenn ich weiß, dass es nur Stein ist, nur Stil, spüre ich doch ein leises Murmeln in der Luft — ein Flüstern aus jener anderen Welt, in der Heilige noch wandelten und man das Feuer durch den Glauben überqueren konnte.


Comments

Popular Posts.

Drei kollaborierende Künstler. Three Collaborating Artists.

A Night of Painting in Pirna

Mein erster Blick auf Chris Löhmann - My First Look at Chris Löhmann

Musing Upon an Art Teaching Career. Brian Hawkeswood.

The Vanishing Patron: Why Art No Longer Sells, and What We Must Do About It. "Tag der Kunst- 2025".

Learning to See: On Painting, Place, and Beginnings

The Ghost at the Border of Fields and Spremberger Evening Mood.

The Wall That Remembered the Future: A Reflection on the Socialist Mural in Dresden’s Library.

"High Art”: What It Meant, and Still Means.

"Suspended Gazes: On Seeing What We Cannot Fully Understand”