The Importance of Writers-Die Bedeutung von Schriftstellern.
Author -Brian Hawkeswood. Nach unten scrollen für die deutsche Übersetzung
It was a quiet summer afternoon in my gallery, Studio Elbe, when a visitor paused before one of my paintings—a reimagined portrait appropriated from Anton Graff. He studied it closely, then, almost as an aside, remarked that Graff himself had once named the region now known as Saxon Switzerland. I was momentarily startled. I had known of Graff’s formidable reputation as a portraitist, but not of any such geographical legacy. Could it be true? The idea intrigued me, not only because it lent new resonance to the painting on the wall, but because it suggested how profoundly the gaze of the artist can shape the world—literally, in this case, giving a name to a landscape.
As it turns out, the visitor was right. In the late 18th century, two Swiss artists—Anton Graff and his colleague Adrian Zingg—found themselves in Dresden, where they had been appointed to teach at the Royal Academy of Art. Both were drawn not only to the cultural ferment of the Saxon capital, but also to the natural beauty that lay just beyond it. South of the Elbe, the sandstone cliffs and forested gorges of the Elbsandsteingebirge presented a striking counterpoint to the formal gardens and polished façades of courtly life. Graff and Zingg often ventured there on sketching trips, walking for a day or more into what was then a largely unknown wilderness.
Though Graff was not a landscape painter by profession—his fame rested firmly on portraiture—he likely made sketches during these excursions. Yet no surviving landscapes by his hand have been identified. It is a curious and telling absence. The man who helped name one of Europe’s most iconic natural regions left behind no visual record of it—at least none we can hold up today. In contrast, it was his friend Adrian Zingg who committed the valleys and cliffs to paper, whose engravings helped shape public perception of the region’s Romantic grandeur. And yet Graff’s influence is undeniable: his eye, his companionship, his sense of place. It reminds us that not all artistic legacies are material. Some reside in the names we give to things, in the lens through which others come to see. Anton Graff "Self Portrait "
Coming from Switzerland, they were struck by the uncanny resemblance between this rugged, broken terrain and the Jura Mountains of their homeland. In their letters home, they began referring to it as “Saxon Switzerland”—a term that at first served only as a private poetic shorthand, a way of mapping the unfamiliar by reference to the remembered. But the phrase caught on. It spoke not just to the visual similarity of cliffs and gorges, but to a new kind of aesthetic sensibility then emerging: a Romantic preference for the sublime, the wild, the emotionally stirring. When the writer Wilhelm Leberecht Götzinger later published descriptions of the region using the same name, it entered the wider lexicon—and eventually the map.
Adrian ZinggThat one of Europe’s most picturesque natural regions owes its name to a painter and his friend is not only a historical curiosity but a kind of poetic justice. The Romantic imagination, after all, sought to dissolve the boundaries between art and nature, between seeing and naming. What Graff saw in the rocks and ravines of Saxony was not merely a painterly subject but a reflection of home, of memory, of longing. That he gave it a name—and that the name endured—is a testament to the quiet power of the artistic gaze.
It pleases me deeply to know that the painting in my gallery, which began as an act of homage, now becomes a quiet continuation of that story. Through art, the past speaks. Through names, it remains.
Anton Graff und die Benennung der Sächsischen Schweiz
An einem stillen Sommernachmittag in meiner Galerie, der Studio Elbe, blieb ein Besucher vor einem meiner Bilder stehen – ein neu interpretiertes Porträt, angelehnt an Anton Graff. Er betrachtete es lange und aufmerksam, bevor er beiläufig bemerkte, Graff selbst habe einst der heutigen Sächsischen Schweiz ihren Namen gegeben. Ich war überrascht. Zwar kannte ich Graffs Ruhm als Porträtmaler, aber von solch einem geografischen Vermächtnis hatte ich noch nie gehört. Sollte das wahr sein? Die Vorstellung faszinierte mich – nicht nur, weil sie dem Bild an meiner Wand eine neue Tiefe verlieh, sondern auch, weil sie verdeutlichte, wie sehr der Blick des Künstlers die Welt formen kann – buchstäblich, indem er ihr einen Namen gibt.
Adrian Zingg "Elbschiffe bei Rathen, im Hintergrund der Lilienstein"Und tatsächlich: Der Besucher hatte recht. Im späten 18. Jahrhundert kamen zwei Schweizer Künstler – Anton Graff und sein Kollege Adrian Zingg – nach Dresden, wo sie an der Königlich-Sächsischen Kunstakademie unterrichteten. Es zog sie jedoch nicht nur in die Salons und Ateliers der sächsischen Residenzstadt, sondern auch in die wilde Natur, die sich südlich der Elbe erstreckt. Die Sandsteinfelsen und bewaldeten Schluchten des Elbsandsteingebirges standen in starkem Kontrast zur geordneten Welt höfischer Gärten und klassizistischer Fassaden. Graff und Zingg unternahmen zahlreiche Wanderungen dorthin, oft tagelang, mit Skizzenbuch und Neugier im Gepäck.
Obwohl Graff kein Landschaftsmaler im engeren Sinne war – sein Ruhm gründete sich vor allem auf seine Porträtkunst – ist es sehr wahrscheinlich, dass er auf diesen Wanderungen Skizzen anfertigte. Doch kein einziges erhaltenes Landschaftsbild lässt sich mit Sicherheit seiner Hand zuschreiben. Es ist ein merkwürdiges und zugleich aufschlussreiches Fehlen. Ausgerechnet der Mann, der einer der bekanntesten Naturlandschaften Europas ihren Namen gab, hat kein sichtbares Zeugnis davon hinterlassen – zumindest keines, das uns heute zugänglich wäre. Es war vielmehr sein Freund Adrian Zingg, der die Täler und Felsen auf Papier bannte, dessen Radierungen maßgeblich das öffentliche Bild dieser romantischen Landschaft prägten. Und doch bleibt Graffs Einfluss spürbar: in seinem Blick, in seiner Weggemeinschaft, in seinem Sinn für die Eigenart dieses Ortes. Es zeigt sich, dass nicht jedes künstlerische Vermächtnis materiell sein muss. Manche wirken fort in den Namen, die wir Dingen geben – in dem Blick, den andere durch uns entwickeln.
Für Männer, die in der Schweiz aufgewachsen waren, muss die Ähnlichkeit zur Jurakette ihrer Heimat verblüffend gewesen sein. In Briefen an Freunde und Familie sprachen sie bald vom „Sächsischen Schweizerland“ – ein zunächst nur privat-poetischer Ausdruck, ein Versuch, das Fremde durch das Vertraute zu benennen. Doch die Bezeichnung blieb nicht im Verborgenen. Sie traf einen Nerv, nicht nur wegen der topografischen Parallelen, sondern auch, weil sie einem neuen ästhetischen Empfinden entsprach: dem romantischen Hang zum Erhabenen, zum Wilden, zur inneren Bewegung. Als der Schriftsteller Wilhelm Leberecht Götzinger später Reisebeschreibungen unter demselben Namen veröffentlichte, fand der Begriff Eingang in die Öffentlichkeit – und schließlich in Atlanten und Reiseführer.
Dass eine der schönsten Naturlandschaften Europas ihren Namen einem Maler und dessen Weggefährten verdankt, ist nicht nur eine historische Randnotiz, sondern eine stille Form poetischer Gerechtigkeit. Die Romantik suchte schließlich die Grenzen zwischen Kunst und Natur, zwischen Sehen und Benennen, zu überwinden. Was Graff in den Felsen und Tälern Sachsens sah, war mehr als ein malerisches Motiv – es war Erinnerung, Heimat, Sehnsucht. Dass er diesem Ort einen Namen gab – und dass dieser Name überdauerte – zeugt von der leisen Kraft des künstlerischen Blicks.
Es erfüllt mich mit tiefer Freude, dass das Bild in meiner Galerie, das einst als Hommage gedacht war, nun zu einer stillen Fortsetzung jener Geschichte wird. Durch Kunst spricht die Vergangenheit. Durch Namen bleibt sie bestehen.
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