Along the Coast of Kovalam: On Fishing, Continuity, and Quiet Symbiosis.
Author- Brian Hawkeswood. Scroll Down For English Version.
Constanze Deutsch. Wunschträume/Traumwünsche (2023)
Mein erster Blick auf Constanze Deutsch
Es gibt Augenblicke, in denen die Begegnung mit dem Werk einer Künstlerin weniger einem Akt des Sehens als vielmehr einem des Erinnerns gleicht – eines Erinnerns an all jene Bilder und Empfindungen, die die moderne Welt längst in uns eingeschrieben hat. So war es bei meiner ersten Begegnung mit den Arbeiten von Constanze Deutsch. Man betrachtet ihre Bilder nicht einfach – man tritt in sie ein, in ihren geschichteten visuellen Pulsschlag, in jene merkwürdige Verbindung von Zartheit und Künstlichkeit, von Unschuld und Gefahr.
Mein erster Eindruck war nicht der einer Malerin, die sich mit den alten Fragen der Darstellung beschäftigt, sondern der einer
jungen Künstlerin, die – mit der schwammgleichen Empfänglichkeit ihrer Generation – das gesamte Vokabular der heutigen Bilderwelt in sich aufgenommen hat: die hyperrealen Gesichter der Manga-Heldinnen, das irisierende Leuchten computererschaffener Körper, die synthetische Melancholie der übermenschlichen Gestalten aus den Welten von Marvel. In Wunschträume/Traumwünsche (2023) liegt eine Frau nackt, mit dem Gesicht nach unten, auf einem Bett – eine Figur zwischen Sinnlichkeit und Mechanik, zwischen der Zerbrechlichkeit des Fleisches und der Perfektion eines digitalen Wesens. Der Hintergrund, ganz aus den Seiten eines Graphic Novels komponiert, bildet eine Art Echokammer, in der Erzählung und Traum, Pop und Pathos ineinander verwoben sind. Man denkt unwillkürlich an jene filmischen Schöpfungen – Alita: Battle Angel, Black Widow –, in denen der menschliche Körper zugleich Waffe und Wunde, Gefäß des Begehrens und Werkzeug seiner Verleugnung wird.
https://www.ign.com/articles/grahic-novel-vs-comic-book-differences
Deutsch’ Kompositionen sind niemals zufällig. Ihr Sinn für Gleichgewicht – zwischen Figur und Hintergrund, zwischen der geladenen Leere des Raums und der Dichte symbolischer Details – verrät eine intuitive Architektin der Empfindung. Jede Kontur, oft von einer entschiedenen schwarzen Linie umschlossen, behauptet und bewahrt zugleich das Bild, als wolle sie die Flut der Farbe, die es zu überströmen droht, im Zaum halten. Ihre Palette, leuchtend und präzise, erinnert an die Farbgrammatik des Graphic Novel: Rot, das von Hitze atmet, Blau, das in elektronischer Ferne summt, Pastelltöne, die mildern, ohne zu sentimental zu werden.
In Amor liegt ein Mann, umgeben von Dunkelheit, die Symbole seiner inneren Welt auf seiner Haut tätowiert, als habe sich das Gefühl selbst in ihr verewigen wollen. Eine Rose windet sich über seinen Unterarm, eine Lilie blüht an jenem Herzen, das von einem stahlspitzigen Pfeil durchbohrt ist. Um ihn kreisen Embleme – eine Taube, von Herzen umgeben, ein rotes Herz, das in einer gläsernen Blase schwebt, seine Arterie durchtrennt, unfähig, das kleine Keramikgefäß zu nähren, aus dem er trinkt. Diese Zeichen – weder ganz persönlich noch ganz allegorisch – scheinen aus einem kollektiven Bildgedächtnis zu steigen, in dem die Mythen von Liebe und Verlust durch die glänzende Oberfläche zeitgenössischer Ikonographie gebrochen werden. Die kleine weibliche Figur in der Ecke, mit der Präzision einer Miniatur gezeichnet, ist weniger eine Gefährtin als ein Relikt der Zärtlichkeit – eine leise Erinnerung daran, dass das Begehren, so stilisiert es auch sei, doch der letzte lebendige Pulsschlag in der Maschinerie der Darstellung bleibt.
Constanze Deutsch Amor.Die Welt von Constanze Deutsch ist eine der Verschmelzung, nicht der Synthese. Das Organische und das Künstliche, das Heilige und das Banale, das Mythische und das Massenhafte bestehen nebeneinander mit gleicher Schwere, als hätte die moderne Imagination aufgehört, zwischen Traum und Design zu unterscheiden. Ihre Figuren sind lebendige Oberflächen, ihre Häute eingeschrieben mit Erinnerung, mit Sehnsucht, mit dem Nachhall all jener Bilder, die jemals zu bestimmen suchten, was es heißt, in einer Welt der Simulation Mensch zu sein. In diesem Sinn spiegelt ihr Werk die Gegenwart nicht einfach – es vollzieht sie: Es verwandelt den visuellen Lärm unserer Zeit in ein symphonisches Gewebe, in dem das Triviale heilig wird und das Heilige, entzaubert, von neuem leuchtet.
Vor ihren Bildern zu stehen, heißt, die Sinne vervielfacht und verwirrt zu fühlen, als sei jedes Bild zugleich ein Geschenk und eine Prüfung: Was sehen wir zuerst? Was erkennen wir wieder? Was erfinden wir aus unserem Bedürfnis nach Bedeutung? Und unter diesem Spiel der Wiedererkennung liegt eine tiefere Frage – jene, die ihr Werk leise stellt: ob es im endlosen Überfluss der Bilder noch einen Raum für das Fühlen gibt, für Verletzlichkeit, für das unmaskierte menschliche Gesicht.
Constanze Deutsch’ Kunst ist nicht bloß ein Spiegel ihrer Zeit, sondern ihr innigstes Geständnis – ein visuelles Tagebuch unserer kollektiven Träume und Zerstreuungen, unserer hybriden Begierden, unseres Verlangens nach einem Körper, der unter dem Schimmer des Digitalen noch wirklich spürbar ist. Vielleicht malt sie nicht, um dieser Welt zu entfliehen, sondern um sie zu erlösen – um mitten im Chaos ihrer Bilderwelt den schwachen, aber lebendigen Pulsschlag von etwas zu finden, das noch atmet.
From the movie- "Alita, Battle Angel".Twentieth Century Fox.
Permission pending.
Permission to use this image was refused.
No reason was given for their refusal . I just figured a connection to
the German art scene would have been interesting to them and added publicity
to their creative film making.
There are moments when an encounter with an artist’s work seems less an act of viewing than of remembering—of recovering from within ourselves the residues of every image, every sensation that the modern world has already impressed upon us. Such was my experience before the works of Constanze Deutsch. One does not so much look at her pictures as one enters into them—into their layered visual pulse, their strange synthesis of tenderness and artificiality, their mingling of innocence and danger.
My first impression was not of a painter intent upon the old questions of representation, but of a young artist who had absorbed, with the spongelike receptivity of her generation, the entire vocabulary of contemporary imagery: the hyperreal faces of manga heroines, the iridescent glow of computer-generated bodies, the synthetic melancholy of Marvel’s superhuman worlds. In Wunschträume/Traumwünsche (2023), (Wish dreams/dream wishes) a woman lies naked, face down upon a bed—a figure poised between the sensual and the mechanical, between the fragility of flesh and the perfection of a digital construct. The background, composed entirely of the pages of a graphic novel, forms a kind of visual echo chamber in which narrative and dream, pop and pathos, are interwoven. One cannot help but think of those cinematic creations—Alita: Battle Angel, Black Widow—in which the human body becomes both weapon and wound, both vessel of desire and instrument of its denial.
Deutsch’s compositions are deliberate, never accidental. Her sense of pictorial balance—between background and figure, between the charged emptiness of space and the density of symbolic detail—reveals an intuitive architect of emotion. Each contour, often enclosed within the definitive certainty of a black outline, both asserts and contains the image, as if to keep at bay the dissolving flood of color that threatens to overwhelm it. Her palette, luminous and precise, recalls the chromatic grammar of the graphic novel: reds that breathe heat, blues that hum with electronic distance, pastels that soften but never sentimentalize.
In Amor, (Love) a man lies surrounded by darkness, the symbols of his inner world tattooed upon his skin as if emotion itself had sought to inscribe its memory there. A rose winds along his forearm, a lily blooms beside the heart pierced by an arrow tipped in steel. Around him hover emblems—a dove circled by hearts, a floating red heart suspended in a transparent sphere whose artery has been severed, no longer able to nourish the small ceramic vessel from which he drinks. These symbols—neither wholly personal nor wholly allegorical—seem to arise from a collective visual memory, where myths of love and loss are refracted through the glossy surface of contemporary iconography. The small female figurine that rests in the corner, drawn with the precision of a miniature, is less a companion than a relic of tenderness—a faint reminder that desire, however stylized, remains the only surviving pulse within the machinery of representation.
Manga Japanese Cartoons Graphic Novels.Deutsch’s world is one of fusion, not synthesis. The organic and the artificial, the sacred and the banal, the mythic and the mass-produced, all coexist with equal gravity, as though the modern imagination had ceased to distinguish between dream and design. Her figures are living surfaces, their skins inscribed with memory, with longing, with the residue of every image that has ever sought to define what it means to be human in an age of simulation. In this sense, her art does not simply depict the present—it enacts it, turning the visual noise of our time into a kind of symphonic fabric where the trivial becomes sacred and the sacred, trivialized, is once again made strange and luminous.
To stand before her work is to feel one’s own senses multiplied and confused, as if each image were both an offering and a test: What do we see first? What do we recognize? What do we invent in our need to make meaning? And beneath this play of recognition lies a deeper question—the one that her art quietly insists upon: whether, in the endless proliferation of images, there still exists a space for feeling, for vulnerability, for the human face unmasked.
Constanze Deutsch’s art is not merely a reflection of her time but its intimate confession—a visual diary of our collective dreams and distractions, our hybrid desires, our longing for a body that feels real beneath the shimmer of the digital. She paints, perhaps, not to escape this world, but to redeem it—to find, amid the chaos of its imagery, the faint pulse of something that still breathes.
Comments
Post a Comment